Was ist los mit World of Warcraft?

Schon seit Wochen beschäftigen mich die Fragen: Woran liegt es, dass mir der Spaß an World of Warcraft mehr und mehr vergeht? Was ist der Grund dafür, dass ich mich oft gar nicht mehr einloggen mag oder noch öfter gar nicht auf den Gedanken komme, ins Spiel schauen zu wollen?

Ich glaube, es gibt eine Menge Gründe dafür, keiner allein ist für sich der Hauptgrund. Aber viele "Kleinigkeiten" summieren sich und verderben (zumindest mir) aktuell den Spaß.

Ich habe schon verdammt viele MMORPGs gespielt und ich muss sagen: Einzig World of Warcraft konnte mich wirklich lange binden. Zum Teil lag das sicherlich am Spiel selbst, am Spielprinzip und so weiter. Den größten Anteil daran hatte allerdings die Community, die Leute, die ich kennen lernte, mit denen ich verdammt viel Zeit im Spiel verbracht habe, die mir Freunde im Spiel geworden sind. Und auch die, denen man mal begegnete, mit denen man zusammen etwas erledigte und die man dann wieder aus den Augen verlor. Man half sich gegenseitig, bedankte sich und alles war ok.

Die "Community" hat sich allerdings sehr verändert. Was, in meinen Augen, auf massive Veränderungen im Spiel zurück zu führen ist. Ich weiß nicht, ob ich alle Details als solche erkenne oder erfasse, aber die Gesamtänderung fällt massiv auf und wirkt auf mich sehr negativ.

Als erstes fällt massiv auf, dass nur noch wenige Zeit mitbringen oder aufwenden wollen. Das merkt man an sehr vielen Stellen. Sei es das "Go go go!" in Instanzen, die möglichst rasant geleert werden müssen, sei es das Verlassen von Gruppen und Raids, wenn es an einer Stelle grad mal eben nicht geklappt hat, sei es beim Zusammenstellen von Random-Raids, bei denen man wieder und wieder leer gewordene Plätze auffüllen darf, weil es jemandem nicht schnell genug ging. Oder dabei zusehen darf...

Zeit, mal eben jemandem zu helfen, finden ohnehin kaum noch Spieler. Von wenigen guten Ingame Freunden abgesehen findet oder erlebt man kaum noch Hilfe. Die wichtigsten Spielelemente für sehr viele Spieler scheinen nur noch Dinge zu sein wie: Progress, Items, voranbringen aller Chars und Twinks und möglichst "viel Content fürs Geld" sehen. Vorbei scheinen mir die Zeiten, in denen man sich mit Elan durch neue Raids gekämpft hat, einfach weil man es gemeinsam packen wollte. Und Wipes ein Grund waren, es erneut zu versuchen, an der Strategie zu feilen und nicht, wie heute sehr oft zu erleben, der Grund für Maulerei, schlechte Laune, Streit und/oder verlassen des Raids.

"Alte" Raids zu laufen ist heute nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Ulduar nochmal clearen? Kann man vergessen. Wofür? Bringt doch keinem mehr etwas... PdK 25? Ich habe noch keinen Raid erlebt, der den letzten Boss erlegt hat. Der erste Wipe am letzten Boss führt unweigerlich zur Auflösung des Raids. Und so könnte ich die Liste nahezu endlos fortführen... ein paar Stichwörter dürften aber genügen um zu erkennen, worauf ich hinaus will.

Die wichtigste Eigenschaft eines Chars ist heutzutage der Gearscore. An der Höhe des Gearscores wird gemessen, ob der Spieler qualitativ hochwertig genug ist, einen bestimmten "Job" zu erfüllen. Gefolgt von "DPS". Dabei erlebt man dann DDs, die mit einem Gearscore von 5500+ schadenstechnisch unterhalb des Tanks herumdümpeln und Gefahr laufen, vom Heiler überholt zu werden. Man muss seinen Char nicht beherrschen können, Hauptsache der Gearscore zeigt eine ausreichende Schwanzlänge an. 

Einen ausreichend hohen Gearscore kann sich ein frisch 80 gewordener Spieler innerhalb weniger Tage erfarmen. Das neue Tool zur Gruppensuche anwerfen und mal ein paar Tage die Heros abklappern sorgt für ein ausreichend hohes Konto an Marken, mit denen sich die Highscore-Items fix erwerben lassen. Und dann auf nach ICC...

Parallel dazu entwickeln sich dann irrsinnige Anforderungen wie beispielsweise (gezielt überspitzt) die Forderung nach einem Gearscore von mindestens 5000, um mal eben Turm Utgarde zu clearen. Ihr wisst, worauf ich hinaus will...

Aber um all das geschriebene mal auf den Punkt zu bringen: Was mir derzeit am meisten in World of Warcraft abgeht ist der soziale Aspekt. Eben genau das, was für mich in der Vergangenheit das Spiel ausgemacht hat. Das Ziel der meisten Spieler ist derzeit offensichtlich, schnellstmöglich die Eiskronenzitadelle zu clearen. Und Blizzard hat alles dafür getan, dass man dies inzwischen ohne jegliche soziale Komponente erreichen kann. Die angekündigten Ideen für Cataclysm verstärken in meinen Augen das Problem noch um ein Vielfaches.

War es früher erforderlich, Zugangsquests für Instanzen oder Raids zu absolvieren, um die nächsthöheren Schlachtzüge erleben zu können, ist diese Notwendigkeit mit Wrath of the Lich King komplett entfallen. Die Notwendigkeit führte "früher" dazu, dass einerseits immer die Möglichkeit bestand, auch "alte" Raidinstanzen laufen zu können, andererseits auch der soziale Faktor nicht zu kurz kam. Man half sich gegenseitig bei Zugangsquests, um möglichst bald gemeinsam den nächsten Schritt unternehmen zu können. Und so weiter...

All das kann man heute überspringen und auslassen. Ein paar Tage mit zufälligen Mitspielern durch die Instanzen rasen, wo oft nicht mal genügend Zeit für ein "Hallo" und "Danke, machts gut" übrig ist. Anschließend dann "ganz oben im Content" einsteigen und beim ersten Wipe die Gruppe verlassen...

Mit Cataclysm werden 25er Raids nahezu entfallen, den Änderungen am Schlachtzugsystem sei "Dank". Mit dem Random-Tool für Schlachtzüge wird die soziale Komponente im Spiel noch weiter unterdrückt, einfach das Tool starten und abwarten. Nicht mal mehr whispers zum Zusammenstellen des Raids sind mehr erforderlich...

World of Warcraft verändert sich massiv. Mit jedem Patch und noch mehr mit jedem Addon entwickelt es sich von einem Spiel, in dem man Zeit gemeinsam mit Freunden verbrachte hin zu einem Spiel für "mal eben zwischendurch". Natürlich ist das ein Vorteil für die "Wenigspieler" (was nicht abwertend zu verstehen ist). Bedeutete es früher einen deutlichen Zeitaufwand, einen Raid für den Schlangeschrein vorzubereiten und auszurüsten, kann heute jeder alles. Das ist in meinen Augen auch nicht zwingend schlecht, führt aber unweigerlich zu den oben beschriebenen Effekten. Gilden und der Zusammenhalt innerhalb der Gilden wird weitestgehend überflüssig, weil es nicht mehr notwendig ist. Nicht viele Spieler sind in einer bestimmten Gilde, weil einfach die Leute in Ordnung sind, man sich mit ihnen gut versteht und dergleichen. Was heute zählt ist vielfach: Wie weit ist die Gilde im Content und wie schnell kann ich mit ihnen meine Chars so gut wir möglich itemisieren. Und selbst das wird mit Cataclysm wohl weitestgehend entfallen. Einzig der Idealismus mancher Spieler und die Freundschaft untereinander wird Gilden noch zusammen halten. Und selbst auf eine Online-Freundschaft kann man sich, sobald es WoW betrifft, heute nur in wenigen (dafür angenehmen) Ausnahmen verlassen.

Ich schreibe das alles nicht, weil ich mich mal ausheulen will. Wer mich kennt weiß sicherlich, dass mir kaum etwas ferner liegt als das. Was ich mir erhoffe ist eine Diskussion zum Thema, oder auch nur ein Nachdenken. Und so ein wenig will ich mich natürlich auch erklären, warum ich nur noch so selten die Lust verspüre, Zeit in das Spiel zu investieren. Und, so eigenartig das auch klingen mag: Oft tut es mir sogar leid, dass ich keine Lust auf World of Warcraft habe. Dann fehlen mir tatsächlich meine Ingame-Freunde.