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Okt 19
2009
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Seit gut 3 Wochen spiele ich nun Aion Online. Zeit für ein Review - aus meiner Perspektive.
Das erste, was man von einem Online-Rollenspiel wie Aion zu Gesicht bekommt ist im Normalfall der Charakter Editor. Und allein der kann den Spieler bereits für geraume Zeit beschäftigen. Die Vielzahl der Einstellungsmöglichkeiten ist eine Wonne, hier kann man seiner Kreativität definitiv freien Lauf lassen. Und das Schöne: Die Charaktere sehen im Spiel fast exakt so aus wie man sie sich zuvor im Editor zurecht gebastelt hat. Ich schreibe "fast", da der eine oder andere Unterschied dann doch auffällt. Die Charaktere lächeln beispielsweise im Spiel stärker, als man es zuvor eingestellt hat.

4 Klassen stehen übrigens zunächst zur Auswahl: Krieger, Priester, Magier und Späher. Ab Level 10 entscheidet sich dann jeder Spieler für eine von 2 möglichen Spezialisierungen seiner Klasse. Auf die Spezialisierungen und entsprechenden Fähigkeiten möchte ich hier nicht weiter eingehen, bei Interesse findet man die Erklärungen im PowerWiki. Meine Klasse ist der Templer, der Tank in Aion. Warum? Weil ich schon immer den Tank spiele...
Vor der eigentlichen Charaktererstellung musste man sich zudem für eine Rasse entscheiden: Elyos oder Asmodier. Welche Seite gut oder böse ist, entscheidet letztlich jedoch jeder für sich allein.
Nun, mein Elyos-Krieger ist fertig und ich komme endlich ins Spiel und bin erschlagen angesichts der tollen Grafik. Natürlich - wenn man World of Warcraft gewöhnt ist, haut einen Spieler so etwas in einem Online Game wirklich vom Hocker. Wunderschöne Landschaften, mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Charaktere sehen überwiegend Klasse aus und sind auch wunderbar animiert. Allein die Emotes verleiten doch immer wieder zum Herumspielen... Hin und wieder findet man mal einen kleinen Ausreißer, beispielsweise wenn dann irgend ein Fuchs wie von Disney animiert duruch die Gegend hüpft. Aber das sind absolute Ausnahmen, Aion sieht wirklich toll aus.

Aber zurück zum Start: Mein Krieger taucht frisch gebacken in der Welt auf und steht direkt dem ersten Questgeber gegenüber. Quest angenommen und auf in die Schlacht. Hier zeigt sich als erstes: Aion hat einen integrierten Questhelfer, der zum Beispiel durch Symbole auf der Map sehr oft recht hilfreich ist. Er hilft allerdings nicht dabei, neue Quests zu finden. Denn anders, als man es zum Beispiel von World of Warcraft kennt, leiten die Quests den Spieler zwar durchaus recht gut durch die Welt, allerdings keinesfalls zu den Quests. Mit anderen Worten: Zeitweise sucht man wirklich intensiv nach neuen Quests, wenn man kein Freund des grinden ist. Und findet diese dann möglicherweise eher zufällig dort, wo man schon eine ganze Weile nicht mehr war, weil man eigentlich dem Gebiet schon "entwachsen" ist. Man reist also recht viel hin und her und schaut oft auf Verdacht nach, ob nicht inzwischen doch wieder ein Quest aufgetaucht ist... Dafür wird man dann allerdings hin und wieder mit recht schicken Zwischensequenzen belohnt, die für meinen Geschmack nur leider zu kurz und zu selten sind.
Die Quests an sich sind durchaus abwechslungsreich, wenn natürlich auch die klassischen "Töte 15 hiervon" und "Besorge 20 davon" Quests überwiegen. Aber es kam bei mir beim questen kaum mal Frust auf, weil irgendetwas nicht zu schaffen ist. Abgesehen von den Quests im Abyss - aber darauf kommen wir noch zurück.
Was auffällt: Aion ist teuer. Also nicht das Spiel als solches, sondern alles, was man im Spiel benötigt. Man hat eigentlich kaum mal genügend Kinah (die Ingamewährung) um sich entspannt zurück zu lehnen. Auf jeden Fall sollte man immer alles einpacken, was die toten Gegner liegen lassen, der Verkauf lohnt sich immer. Und da Aion relativ teuer ist, lässt eine ganz besondere Gattung Mensch selbstverständlich nicht lang auf sich warten: Die Gold-Spammer (in diesem Fall: Kinah-Spammer). Und es war wirklich krass! Tagelang konnten die öffentlichen Channel eigentlich nicht genutzt werden, da permanent überaufdringlich gespammt wurde. Und nicht nur in den Channels, auch per whisper wurde geflutet. Relativ schnell wurde deshalb glücklicherweise die Möglichkeit eingebaut, einen Char per Mausklick zu blocken (was dann wiederum in den Patchnotes vergessen wurde zu erwähnen) und inzwischen gibt es auch einen speziellen Chatfilter, der den Spam auf ein erträgliches Minimum gesenkt hat. Ganz weg ist er noch nicht, aber extrem minimiert.
Dafür fallen diese Leute nun auf ganz andere Weise auf: die Farmbots nehmen überhand. Und nein, ich übertreibe ganz sicher nicht wenn ich schreibe: In manchen Gebieten sind 90% der herumlaufenden Charaktere Bots. Verläßt man beispielsweise Heiron Tor, wird man bis auf ein paar wenige echte Spieler, die verzweifelt versuchen, ihre Questmobs zu schaffen, derzeit überwiegend Bots finden. Ich habe gestern Abend auf die Schnelle 10-15 Bots auf einem ziemlich kleinen Kartenabschnitt auf Anhieb entdeckt. Ob die ins Spiel integrierte Möglichkeit, die Bots zu melden, dauerhaft Abhilfe schaffen wird, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Einerseits, weil man pro Stunde maximal 10 Bots melden kann (was gestern dazu führte, dass ich leider nicht alle entdeckten Bots entsprechend behandeln konnte), andererseits, weil der Ingame-Support nur werktags von 8-17Uhr erreichbar ist. Ja, ihr habt richtig gelesen!

Gut, kommen wir noch einmal kurz zum Abyss zurück. Der Abyss ist das große Schlachtfeld für die Kämpfe zwischen den verfeindeten Völkern der Elyos und Asmodier sowie dem gemeinsamen Feind, die Balaur. Mit anderen Worten: Der Abyss ist ein riesiges PvP-Gebiet. Nichts für Spieler, die PvP so wenig mögen wie ich. Dumm nur, dass man beispielsweise mit Level 25 gleich eine ganze Latte an Quests in sein Questlog geschrieben bekommt, die ausschließlich dort zu erledigen sind. Und viele davon kann man nur erledigen, wenn gerade mal ein Gebiet nicht von der befeindeten Fraktion besetzt ist. PvP-Liebhaber werden ihre wahre Freude haben, für mich gestaltet es sich überwiegend frustrierend, beim Versuch, ein paar Quests zu erledigen, permanent von gegnerischen Gruppen dahingemetzelt zu werden, ohne auch nur die geringste Chance zu haben. Man sollte also im Abyss definitiv ausschließlich in einer Gruppe unterwegs sein, alles andere bewegt sich etwa auf der Ebene von einem Besuch diverser Stadtgebiete in Großstädten, während man ein TShirt mit rassistischen Sprüchen trägt.
Ich versuche mal ein Fazit: Aion macht überwiegend Spaß und ist dabei auch wirklich schön anzuschauen. Wie es im Endcontent aussieht kann ich noch nicht beurteilen, allerdings deutet sich eine Mischung aus PvP und PvE an, die ich mir zumindest anschauen werde. Wieviel PvE-Content hier schon vorhanden ist, wird sich zeigen. Aion hat durchaus noch diverse Macken, die verbesserungswürdig sind, macht im Großen und Ganzen aber in meinen Augen eine Menge richtig. Viel falsch macht hingegen NC Soft. Der Start in Europa und Nordamerika ging sicherlich deutlich in die Hose, Warteschlangen von 1-2h Länge zum Start eines Online-Spieles sind ganz sicher nicht förderlich. Es waren einfach zu wenige Server vorhanden und es wurde zu zögerlich aufgestockt. Und ein absolutes No-Go ist es, dann nicht einmal Möglichkeiten zum Character-Transfer zu bieten.
Inzwischen scheint sich die Lage etwas entspannt zu haben, wenn ich auch einfach denke, dass viele Spieler aus lauter Verzweiflung erst einmal abwarten werden. Weniger vorteilhaft geht es an anderer Stelle zu: Beim Support und der Kommunikation.
Seien wir mal ehrlich: In einem Online-Spiel einen Ingame-Support nur in der Zeit von 8-17Uhr anzubieten ist nicht nur irgendein Versäumnis, sondern DAS Versäumnis überhaupt. Die Information, dass man selbst nach 4 Tagen noch keine Antwort auf ein Support-Ticket erhalten hat, hat sich schneller herum gesprochen als die Tatsache, dass das Spiel Spaß macht. Zudem ist die Informationspolitik von NC Soft aktuell alles andere als erfreulich. Reaktionen im Forum beschränken sich in den meisten Fällen auf das Löschen von unpassenden Einträgen (immerhin etwas), Antworten wird man eher selten lesen. Den Community Manager für Deutschland Amboss liest man hin und wieder in Twitter und die Newsmeldungen beispielsweise zu den Patches fehlen entweder komplett oder sind mehr als knapp und zudem unvollständig. Nun, genau diese Krankheiten haben schon einige andere durchaus interessante Online-Games dahin gerafft. Um so unverständlicher, dass nach wie vor ein Unternehmen nach dem anderen den Versuch unternimmt, DEN WoW-Killer auf den Markt zu werfen und trotzdem die gleichen Fehler macht. Nicht nachvollziehbar.
Nun, sollte NC Soft allerdings hier recht schnell für Abhilfe sorgen und die wichtigsten Kritikpunkte beseitigen, könnte Aion durchaus eine interessante Zukunft am Markt der MMORPGs haben. Das Spiel hat definitiv das Potential dazu, da bin ich mir sicher. Wenn regelmäßig genügend neuer Content für das Endgame nachgereicht wird, denn nur so wird man dauerhaft die Spieler halten können. Aber Aion macht durchaus eine Menge Spaß, auch das Fliegen mit den eigenen Flügeln bringt ein tolles Extra ins Spiel, was man recht schnell nicht mehr vermissen mag. Um so mehr stören dann Dinge wie Bots und dergleichen, die den Spielspaß empfindlich stören können.
